direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Professor a.D.

Lupe

Prof. Dr.-Ing. Jörg Albertz

29.2.1936 - 28.10.2010

Nachruf

Am 28. Oktober 2010 verstarb Prof. Dr.-Ing. Jörg Albertz im Alter von 74 Jahren, überraschend und nach kurzer aber schwerer Krankheit.


Jörg Albertz wurde am 29.2.1936 in Esslingen am Neckar geboren. Nach dem Schulbesuch begann er 1955 mit dem Studium des Vermessungswesens an der Technischen Hochschule Stuttgart, das er 1959 erfolgreich als Diplom-Ingenieur beendete. Seine wissenschaftliche Karriere führte ihn zunächst nach Berlin, wo er als Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Photogrammetrie und Kartenkunde der Technischen Universität im Jahre 1965 zum Dr.-Ing. promovierte. Nach freiberuflicher Tätigkeit in Berlin kehrte er 1968 als Oberingenieur und Lehrbeauftragter am Institut für Photogrammetrie und Topographie der Universität Karlsruhe in den Hochschulbereich zurück.

Früh erkannte er die Bedeutung der Fernerkundung für die Photogrammetrie, deren innovative Methoden er in einem halbjährigen Studienaufenthalt in den USA und Kanada kennenlernen und vertiefen konnte. Seine Arbeit Fernerkundung in den USA wurde 1974 mit dem Hansa-Luftbild-Preis ausgezeichnet. Konsequenterweise führte sein Expertenwissen 1976 zur Berufung als Professor (C3) für Fernerkundung und Photointerpretation im Fachbereich Vermessungswesen der Technischen Hochschule Darmstadt, der ersten Professur für Fernerkundung in Deutschland. 1979 nahm Prof. Jörg Albertz den Ruf der Technischen Universität Berlin an und konnte als C4-Professor für Photogrammetrie und Kartographie die Arbeit an seiner alten Wirkungsstätte wieder aufnehmen.

Die Schwerpunkte seiner Forschungs- und Entwicklungsarbeiten lagen in neuen Methoden der Fernerkundung und den Sonderanwendungen der Photogrammetrie. Beide Tätigkeitsbereiche führten zu vielfältigen interdisziplinären Kontakten. Die Erfolge bei der Entwicklung neuer Methoden zur Bildkarten-Herstellung und der Anwendung neuer Arbeitstechniken, z.B. auf dem Gebiet der Waldschadenskartierung, sind in einer Reihe von Publikationen veröffentlicht.
Hervorzuheben sind die vielseitigen und umfangreichen Arbeiten zur Auswertung elektronenmikroskopischer Bilder, den Messaufgaben in der Architekturphotogrammetrie, seine Beiträge zur Planeten-Fernerkundung, sowie Grundlagenforschungen auf dem Gebiet der visuellen Wahrnehmung unserer Umwelt.

Durch diese Forschungsaktivitäten konnten für die Technische Universität Berlin Drittmittel von weit über 5 Millionen Euro eingeworben werden.

Fast 200 wissenschaftliche Veröffentlichungen weisen Jörg Albertz als anerkannte Kapazität in seinen Fachdisziplinen aus. Sein Buch Interpretation von Luft- und Satellitenbildern gilt seit seinem Erscheinen 1991 als Standardwerk für Fernerkundung in Deutschland. Das zusammen mit Walter Kreiling veröffentlichte Photogrammetrische Taschenbuch war so erfolgreich, dass es in sechs Sprachen verlegt wurde.

In der Lehre ist es Jörg Albertz mit unermüdlichem Einsatz gelungen, selbst komplexe Zusammenhänge sehr anschaulich und einprägsam darzustellen. Trotz eines außergewöhnlich hohen Lehrdeputats wurden stets auch aktuelle Forschungsergebnisse in seine Vorlesungen integriert.
Unter seiner Leitung waren über 80 Wissenschaftliche Mitarbeiter, Stipendiaten und Doktoranden tätig. Stipendiaten aus China, Ägypten, Somalia, der Türkei und Griechenland, Praktikanten aus Indonesien und Äthiopien wiesen sein Fachgebiet an der TU Berlin international als attraktiven Forschungsstandort aus.

Auf seine Initiative wurde 1987 die Stiftung zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf den Gebieten Photogrammetrie, Fernerkundung und Kartographie an der TU Berlin eingerichtet, die nach dem ersten Lehrstuhlinhaber der Photogrammetrie in Deutschland, Otto Lacmann, benannt ist.

Durch langjährige Mitwirkung auf Instituts- und Fachbereichsebene, im Konzil bzw. als Vorsitzender der Kommission für Rechenanlagen konnte Jörg Albertz aktiv Einfluss auf den Hochschulalltag nehmen. Besonders hervorzuheben ist, dass es u.a. seinem Einsatz zu verdanken ist, dass das Studium der Geodäsie auch heute noch an der TU Berlin möglich ist.

Zahlreiche Mitgliedschaften, so u.a. im Beirat der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, als Ordentliches Mitglied der Deutschen Geodätischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaft, sowie diverse Gutachtertätigkeiten belegen seine Fachkompetenz.

Besondere Verdienste hat er sich in der Deutschen Gesellschaft für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformation (DGPF) erworben. Er hat als langjähriger Schriftleiter der Fachzeitschrift für Photogrammetrie, Fernerkundung Geoinformation (PFG), als Vorstandsmitglied, Präsident und Ehrenpräsident Außergewöhnliches für die Entwicklung der Gesellschaft geleistet.

Von 1979 bis 2008 war Jörg Albertz zudem Präsident der Freien Akademie, einer weltanschaulich und politisch unabhängigen Organisation, die sich die wissenschaftliche und kulturelle Auseinandersetzung mit interdisziplinären Daseins- und Wertfragen unserer Zeit zum Ziel gesetzt hat.

Neben seinen wissenschaftlichen Leistungen und dem Engagement als Hochschullehrer schätzten die Mitarbeiter und Studenten an Prof. Dr. Jörg Albertz sein bescheidenes und sympathisches Auftreten.

Wir trauern um einen unvergeßlichen Chef, Kollegen und Freund.
Wir trauern um einen prägenden Humanisten und Wissenschaftler.
Wir trauern um einen liebenswürdigen Menschen.

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe